Nehmen wir uns zu wenig Zeit für Bilder?

Manchmal erlebt man Schlüsselsituationen, Momente, über die man im Nachhinein nachdenkt. Das klingt jetzt erstmal dramatischer als es ist, trotzdem sind manche Kleinigkeiten aber gar nicht so unbedeutend.

Wenn ein Klick einer zu viel ist

So postete ich letztens ein, ich nenne es mal, eher kritisches Bild auf Instagram. Das abgebildete Modell sah das Posting und teilte es über ihre Fanpage auf Facebook. Nix besonderes, aber die Reaktionen auf das Foto verwunderten und brachten mich schließlich zum nachdenken. Statt den Link anzuklicken und sich die Aufnahme anzusehen und erst dann einen Kommentar zu tippen, sahen einige nur das kleine Vorschaubild, das Facebook bei Links selbst erstellt, und urteilten dann darüber. Dieses Vorschaubild jedoch verzerrte die gesamte Bildaussage. So zeigte sich schnell, wer das komplette Bild und wer nur diesen Ausschnitt angesehen hatte.

Wie schnell schauen wir uns inzwischen Bilder an und wie übereilt erlauben wir uns ein Urteil, bzw. glauben alles Wesentliche erfasst zu haben? Über diese Frage bin ich zu einer weiteren gekommen; scrollen wir nur noch so durch Timelines und Newsfeeds um möglichst viele Informationen aufzusaugen? Was bringt uns das?

Viele Meinungen in den Fotogruppen deckten sich.

Viele Meinungen in den Fotogruppen ähneln einander.

So habe ich in dieser Woche eine kleine, absolut nicht repräsentative Umfrage gestartet, die mir persönlich aber zeigte, die meisten scrollen durch, hier und da ein Like, dort und wann ein Verweilen, kurz. Nochmal: Was bringt uns das?

Wir hechten von einem Bild zum nächsten.

Wir hechten von einem Bild zum nächsten.

Ein Argument in den Reaktionen auf diese Umfrage und dem kann ich mich auch nicht sperren, war die sinkende Qualität der Bilder. Einige knipsen auf Masse; Modell, am besten erotisch attraktiv, ein bisschen Licht, rekelnde Pose, fertig ist das Like-Rezept. „Sex sells!“ – ein uraltes Rezept für die meisten Lebenslagen, das haben auch viele Fotografen und Modelle erkannt. So wabern Brüste, Hintern oder insgesamt viel nackte Haut auf Fanpages und in Fotogruppen umher. Es wird „produziert“ was am besten ankommt, was einem als Hobbyisten selbst vielleicht besser gefällt, das vergisst der ein oder andere dabei.

Mit ähnlich niedrigem Anspruch betrachtet man dann, auch weil es einfach so viele sind, die Arbeiten der anderen. Ich würde lügen, behaupte ich, nicht auch häufig vor mich hin zu scrollen, ein Like hier und da, aber länger ein Bild ansehen, selten. Alleine die Tatsache, auf einem mickrigen Smartphonedisplay hochauflösende Fotos anzusehen, ist ja im Grunde ein Verbrechen gegen die Fotografie. Und ja, auch ich bin schuldig.

Aber ich kann das ändern, du kannst das ändern. Man muss das nur wollen, sich bewusst am großen Bildschirm oder zumindest Tablet die Arbeiten der anderen ansehen, betrachten, verweilen und entspannen. Ich glaube, manchem ist der Grund, warum er fotografiert abhanden gekommen, es ist aber nicht zu spät sich darauf zurück zu besinnen. Jene, welche die DSLR in die Ecke geworfen haben und wieder analog umherziehen, sind gute Beispiele.

Ich verfolge mit der Fotografie schon seit längerem das Ziel mich selbst etwas zu entschleunigen, nicht die Quantität, sondern die Qualität macht den Moment aus. Das klappt noch lange nicht so wie ich das gerne hätte, eine gefühlt nie endende ToDo Liste schleife ich hinter mir her. Aber! Wenn ein Problem erst einmal erkannt ist, ist das meiste schon getan.

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